Unsere Geschichte

1939

Die ersten Siedlungen hatten das Licht der Welt erblickt. Einige waren noch geplant. Der Grundgedanke hatte seine Feuerprobe bestanden. Alle Zweiflern zum Trotz waren die meisten Menschen, die Siedlungshäuser auf Erbpachtgelände erworben hatten, trotz harter Arbeit zufrieden.

Somit stand dem Bau von 64 Häusern gleich 128 Siedlerstellen für die heutige Siedlung am Zwickauer Damm nichts mehr im Wege.

Das für die Siedlung vorgesehene Gelände zwischen Zwickauer Damm und Wildmeisterdamm war freigegeben. Es wurde in zwei Teile – Süd und Nord – aufgeteilt. Zwei Baufirmen erhielten den Auftrag – die eine auf dem südlichen, die andere auf dem nördlichen Teil der Siedlung – baugleiche Doppelhäuser zu errichten.

Im März 1939 war Baubeginn.

Im August 1939 war es soweit, die ersten Siedler konnten ihre Häuser übernehmen. Doch welcher Schock, nichts sah aus, wie eine Siedlerstelle. Der Aushub, der Keller, Schuttreste von Baumaterial, alles war auf dem Grundstück verteilt. Die ersten Arbeiten waren Aufräumen.

Es begann eine harte Zeit. Es gab keine Straßen. Bei Regen waren die Wege aufgeweicht und man konnte die Häuser nur mit Mühe erreichen.

Im September brach dann der 2. Weltkrieg aus. Alles änderte sich. Die Bauarbeiten kamen nicht zum Abschluss. Einige Siedler wurden einberufen. Die schwere Arbeit lag nun zum Teil in den Händen der Frauen.

Die halbfertige Siedlung, der hereinbrechende Winter und der Krieg – das Jahr 1939 endete nicht sehr freundlich für die schon anwesenden Siedler.

1940

Der Winter ging dem Ende entgegen. Es sah trostlos in unserer Siedlung aus.

Die Schneeschmelze brachte ein neues Chaos. Straßen und Wege waren völlig aufgeweicht und nicht mehr begehbar. Den neuen Siedlern gelang es nur mit Hilfe der Freiwilligen Feuerwehr Rudow, die mit großem Einsatz Wasser pumpte, ihre Keller vom Wasser zu befreien und die Wege so leidlich begehbar zu machen.

Irgendwann war alles vorbei. Das Frühjahr kam, die Häuser wurden fertiggestellt und die letzten der 128 Siedlerfamilien zogen ein. Es wurde gearbeitet, Wege befestigt, der Garten bestellt.

Es kamen die vertraglich festgelegten Äpfel-, Birnen-, Kirschen- und Pflaumenbäume sowie Johannis- und Stachelbeerensträucher, sie wurden angeliefert und eingepflanzt. Saatkartoffeln, Gemüse, Salat, Kohl, Tomaten und andere Pflanzen kamen nicht. Es war Krieg – es gab nicht mehr.

Jeder musste für sich selbst sorgen. Die Siedler mussten bald feststellen, allein konnte man nicht viel ausrichten. Mehr als ein Jahr nach Baubeginn setzten sich die Siedler zusammen und gründeten am 14.April 1940 den Verein

Siedlergemeinschaft am Zwickauer Damm.

Ein Vorstand wurde gewählt. Der neue Vorstand hatte eine große Zahl von Aufgaben, die in den Kriegsjahren kaum zu bewältigen waren. Es gab ein absolutes Bauverbot. Alles Material wurde für den Krieg gebraucht. So mussten viele Wünsche offen bleiben.

Die ersten Blüten an Bäumen und Sträuchern schafften neuen Mut. Die eingesetzten Pflanzen wuchsen. Die Ernte, wenn auch nur bescheiden, kam näher. Vorhandene Hühner und Kaninchen wurden größer. Man konnte sicher davon ausgehen, dass die durch Lebensmittelkarten rationierte Versorgung durch Eigenanbau und Selbsthilfe aufzubessern war. Es wurden weniger Männer in der Siedlung. Die Versorgung war eingeschränkt. Vom Krieg war 1940 in Berlin noch nicht viel zu spüren. So ging das Jahr zu Ende, mit der Hoffnung auf bessere Zeiten.

Doch der Schein trügt, noch immer tobt der Krieg.

Es wir hart gearbeitet, der Boden kultiviert, um die Erträge zu steigern. Die einzelnen Grundstücke werden so gut es geht eingezäunt.

Der Endsieg nähert sich in Form von Bomben, die Berlin zerstören. In der Nähe der Siedlung wird eine Flackstellung gebaut, die Bomben kommen näher. Dächer werden beschädigt. Es gibt neue Arbeit – reparieren heißt die neue Losung.

Das Haus Nr. 125 wird von einer Brandbombe getroffen. Von jedem Haus wir die untere Reihe Dachsteine abgenommen um die Schäden an den anderen Dächern auszubessern.

Die schwere Zeit verbreitet Mißtrauen untereinander. Wer gehört zu wem? Der Staat wacht darüber, trotz allem, es wird erstaunliches geleistet. Viele Siedler halten zusammen und helfen einander.

Der letzte Winter, der Krieg steht vor Berlin. Dann endlich ist alles vorbei, der Krieg ist aus. Berlin liegt in Schutt und Asche.

Auch unsere Siedlung hat ihren Teil abbekommen. Die Kriegsschäden müssen beseitigt werden. Nicht alle Siedler kehren heim. Aber das Leben geht weiter. Das Land wurde, so gut es ging, bestellt. Heimkehrer und Flüchtlinge erreichen unsere Stadt. Lebensmittel sind knapp, die Not ist groß. Jeder versucht zu helfen, die Gemeinschaft rückt noch mehr zusammen. Brennmaterial für den nächsten Winter muss beschafft werden, denn auch Kohlen sind rar.

Über der Zukunft liegt ein grauer Schleier, aber der Krieg ist aus und Hoffnung erfüllt die Herzen der Menschen auf ein besseres Morgen.

Die in den Kriegsjahren gebildete Gemeinschaft war von Mißtrauen durchsetzt. Nun vertrauen die Menschen einander wieder. Freundschaften bilden sich und die Gemeinschaft wächst.

Auf den Siedlerstellen wird jeder Quadratmeter ausgenutzt. Viele Siedler halten und züchten Hühner, Tauben, Kaninchen, eigentlich alles, was sich lohnt. Das Angebot an Nahrungsmitteln ist klein. Es gibt viele Hungrige.

Die Siedler beschließen auf einer Sitzung, gemeinsam ihr Eigentum zu schützen. Nachtwachen werden eingerichtet, mit denen man Diebe fern halten will. Es gelingt nicht immer, aber es hilft. Braucht man doch Ernte- und Zuchtüberschuss dringend als Tauschobjekt.

Es fehlt doch eigentlich alles, Material zum Bauen von Ställen, Schäden in und an Häusern wollen repariert werden. Viele Dinge des täglichen Lebens, eben alles, was man für diese bescheidenen wenn auch raren Artikel erhalten kann.

Der Winter 1946/47 war sehr hart, alle Wasserleitungen in der Siedlung waren eingefroren. Der Wasserbedarf wurde aus Pumpen ausserhalb der Siedlung gedeckt. Aber auch dieser Winter ging wieder vorbei. Die Schäden wurden behoben, der Frühling kam und damit begann auch wieder die Arbeit im Garten.

Das Verhältnis der vier Besatzungen verschlechterte sich. Berlin wurde geteilt. 1948 begann die Blockade, nochmals begann ein schweres Jahr. Die Versorgung Berlins wurde durch die Luftbrücke aufrecht erhalten. Dann endlich 1949 war die Blockade beendet.

Berlin atmete auf. Für die Siedler erschien erstmals die Zukunft rosiger. Wünsche wurden wach, noch vor wenigen Wochen schienen sie unerfüllbar.

Die Sonne über unserer Siedlung

Die Zeit verging mit Arbeit und Freude, man startete wieder ein Sommerfest. Nicht nur der Festausschuss hatte sich dafür einsetzt, auch die Siedler und vor allem die Siedlerfrauen.

Ein Ausschank wurde gebaut, die Tanzfläche befestigt. Die Kapelle musste irgendwo sitzen. Der Platz musste geschmückt sein und Kuchen gebacken werden. Es gab viel zu tun.

Dann war es soweit, ein Festzug von Kindern zusammengestellt und vorgeführt, leitete das Fest ein.

An den Eingängen zur Siedlung wurden Kassen eingerichtet, an denen Gäste Eintritt bezahlten. Siedler, Gäste, Kinder – alle trafen sich auf dem Festplatz.

Der Wunsch, richtige Straßen zu bauen, musste zurückgestellt werden. Das dafür notwendige Geld war nicht aufzubringen. Man wollte aber etwas schaffen, einen Ort, an dem man sich treffen konnte. So wurde dann von der Gemeinschaft beschlossen, ein Vereinsheim zu bauen. Es gab ja genügend Trümmer in unsere Stadt, also auch Steine für unser Heim. Diese wurden herangeschafft und vom Mörtel befreit. Eine Aufgabe, die die Siedlerfrauen übernahmen. Mörtel und Zement wurden beschafft, Fundamente ausgehoben und die Grundmauern erstellt. Fast alle waren an dieser Arbeit beteiligt.

Gemeinsam arbeiten alle Siedlerinnen und Siedler an ihrem gemeinsamen Ziel.

Der Bau ging gut voran, die Aussenmauern waren fertig und der Aufbau des Daches konnte beginnen.

Endlich war die Dachkonstruktion fertig und man konnte das Richtfest feiern. Zum Winter 1955/56 war der Bau dicht.

Der Innenausbau begann. Viele fleißige Hände hatten auch bald diese Arbeit geschafft.

1956 konnte die erste Mitgliederversammlung im neuen Vereinsheim durchgeführt werden. Ein Heimwart übernahm die Betreuung des Hauses und der Siedler. Der neue Treffpunkt erwies sich als Vorteilhaft. Ein Filmvortrag mit dem Thema „Das Erbbaurecht“ war eine gut besuchte Veranstaltung.

Man beschloss, den großen Saal für 10 DM ohne Heizkosten anderen Siedlungen anzubieten. 1959 wurde beschlossen, dass alle Mitglieder des Vereins „Siedlung am Zwickauer Damm“ einen Ausweis erhalten.

 

Der Wunschtraum, endlich befestigte Straßen in der Siedlung  zu haben, wurde wieder wach. 1960 wurde der Vorstand beauftragt, die Kosten hierfür zu ermitteln. Anfragen wurden gestartet. Angebote kamen, die Finanzierung musste geklärt werden. Umlagen werden vorgeschlagen, die Trägergesellschaft „Gewobag“ wird angesprochen. Ein Zuschuss vom Gemeinschaftsfond wird zugesagt. Keine leichte Aufgabe, die der Vorstand – unter dem Vorsitz des Siedlerfreundes Herbert Lemke – übernommen hatte.

Mit einem großen Sommer- und Kinderfest feiern wir 1964 unser 25jähriges Jubiläum.

Die neuen Straßen und der Erhalt der gepflegten Gärten der Siedlung brachten uns einen großen Erfolg. Bei dem Wettbewerb „Beste Kleinsiedlung“ konnten wir den ersten Platz erringen.

Besonders im Süden Berlins sind fast alle Bäume von der Goldafterraupe befallen. Sie wird zu einer großen Gefahr – ohne Gegenmittel vernichten sie viele Bäume. Ein Spritzmittel wird empfohlen und eingesetzt. Im Frühjahr werden dir Raupennester verbrannt. Es dauert fast drei Jahre, dann ist diese Plage von allen gemeinsam besiegt.

Pächter für unser Vereinsheim zu verpflichten ist schwer. Es wird ein Vollausschank beantragt, der, nachdem alle Auflagen erfüllt sind, auch erteilt wird.